02.04.2026 - Was hat „Paludikultur“ mit der Bauwirtschaft zu tun?

In der Paludikultur werden nasse oder wiedervernässte Moore land- und forstwirtschaftlich genutzt. Hierbei ist der Anbau von wasserliebenden Pflanzen, z.B. Schilf, Rohrkolben, Erlen oder Torfmoosen möglich, ohne den Torfboden zu entwässern. Trockengelegte Moorflächen werden heute überwiegend als Grünland zur Beweidung oder zur Futterproduktion genutzt. Doch die Trockenlegung bewirkt die Zersetzung der im Boden vorhandenen Torfschichten und damit die Freigabe hoher Mengen an Kohlenstoff in Form von CO₂. Daher spielt die Wiedervernässung von Mooren eine wichtige Rolle beim Erreichen der Klimaschutzziele.

Bau- und Rohstoffe aus Paludikultur

Die Chancen der im Wasser wachsenden Pflanzen liegen in ihren besonderen Eigenschaften, die sie für eine Vielzahl von Verwertungsmöglichkeiten auszeichnen.

  • Am bekanntesten ist wohl das schnell wachsende Schilf. Aufgrund seiner besonderen Beschaffenheit bietet es sich neben der Anwendung als Dachreet auch als Rohstoff für Bau- und Dämmmaterialien
  • Weiterhin eignet es sich als Rohstoff für die Papierherstellung und gewinnt als alternatives Fasermaterial an Bedeutung.
  • Die sogenannten Typhaboards sind stabile Dämmplatten aus Rohrkolben mit hoher Strukturfestigkeit.
  • Torfmoos besitzt eine hohe Speicherfähigkeit für Wasser und eignet sich hervorragend für torffreie Substrate im Gartenbau.
  • Die Einlagerung von Silikaten in bestimmten Paludikulturpflanzen reduziert ihre Entflammbarkeit. Diese Eigenschaften sind bedeutend bei Bau- und Dämmstoffen, die langlebig, feuchtigkeitsbeständig und ohne chemische Zusätze sein sollen.


Umstellung der Landwirtschaft

Die Umstellung der Landwirtschaft auf Paludikultur stellt einen grundlegenden Wandel dar, angefangen vom Anbau und der Pflege der Pflanzen über die Technik und über Lieferketten, Märkte und Förderprogramme.

Für die Landwirte müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen mit verlässlichen Perspektiven, angemessenen Rohstoffpreisen und der Honorierung von Ökosystemleistungen. Außerdem müssen neue Verwertungsketten aufgebaut und Abnehmer für die neuen Erzeugnisse gefunden werden. Aktuell laufen bundesweit über 70 Paludikultur-Projekte, die u.a. darauf abzielen, Ergebnisse in die Praxis zu überführen und wirtschaftlich tragfähige und klimawirksame Lösungen zu finden.

Aufbau von Verwertungsketten der Paludi-Biomasse

In einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der toMOORow-Initiative (einer Kooperation der Umweltstiftung Michael Otto und der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum) wurde untersucht, in welchen Wirtschaftssektoren Wertschöpfungsketten mit Paludikultur-Produkten entstehen können.

Aus dieser Initiative ist im Jahr 2024 die Allianz der Pioniere hervorgegangen, der sich mittlerweile große Unternehmen wie Baufritz, Otto, Obi, Leipa und andere angeschlossen haben, um in den Sektoren Papier und Verpackung sowie Bau- und Dämmstoffe skalierfähige Wertschöpfungsketten aufzubauen, um so der Landwirtschaft neue Einkommenspotenziale zu erschließen.

Bei all diesen Maßnahmen wird deutlich, dass sich aktuell vieles bewegt und Agrarbetriebe und Verwertungsfirmen zunehmend offen sind für diese neuen Wege. Jedoch bestehen auch noch diverse Hemmnisse, bis Rohstoffe und Produkte aus Paludikultur großflächig am Markt etabliert sind. U.a. bedarf es weiterer praxisnaher Demonstrations- und Anwendungsbeispiele im Bausektor, um stabile Liefer- und Produktionsketten zu etablieren. Dann können Bau- und Dämmstoffe aus Paludikultur zukünftig einen positiven Beitrag zur Ökobilanz von Gebäuden beitragen.

Unsere Aufgaben:

Das Pilotvorhaben Paludikultur in Mecklenburg- Vorpommern wird von der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH und der Universität Greifswald als Verbundvorhaben umgesetzt. U.a. wird die Etablierung und Bewirtschaftung von Nassgrünland sowie von Anbau-Paludikulturen unter realen Bedingungen großflächig (mehrere 100 ha) umgesetzt, um aktuell fehlende belastbare Erkenntnisse zu ganzjähriger Bewirtschaftung von Moorböden zu gewinnen.

Ansprechpartnerin:

Anke Nordt
T 03834 832-32
anke.nordt@lgmv.de

Mehr Informationen über das Pilotvorhaben Paludikultur finden Sie hier.

Die seit 2024 ebenfalls bei der Landgesellschaft angesiedelte MoorAgentur MV ist ein Anlaufpunkt zur Unterstützung von Moorschutzmaßnahmen. Die Agentur nutzt die Expertise aus unterschiedlichen Fachbereichen, um Flächeneigentümer, Bewirtschafter und andere Beteiligte hinsichtlich Projektvorbereitung und -umsetzung oder bei Fragen zur Finanzierung und Förderung zu unterstützen.

Ansprechpartnerin:

Dr. Almut Mrotzek
T 03834 832-15
almut.mrotzek@lgmv.de

Weitere Informationen zur MoorAgentur MV finden Sie hier.

 

UNSERE VERÖFFENTLICHUNGEN

Newsletter

Sonstige Publikationen

Geschäftsberichte