Unternehmen entwickeln Zukunftsideen für den ländlichen Raum
Von der „Frag-Manfred-App“ bis zur CO2-Speicherung im Boden als neue Einkommensquelle für Landwirte: Fünf Unternehmen präsentieren innovative Ideen für regionale Wertschöpfung und Klimaschutz in MV.
Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden langfristig binden, wenn sie expandieren möchten und gleichzeitig Fachkräfte knapp werden? Vor dieser Herausforderung steht die Komesker Anlagenbau GmbH, wie auch viele andere kleine und mittlere Unternehmen im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns. Das Unternehmen, das in den Bereichen technische Gebäudeausrüstung, Infrastrukturbau und Erneuerbare Energien aktiv ist, hat nun im Rahmen einer Innovationswerkstatt eine Lösung entwickelt, die auch auf andere Firmen übertragbar ist: die KI-gestützte „Frag-Manfred-App". Die App soll künftig Wissen, Erfahrungen und Unternehmenswerte für alle Mitarbeitenden zugänglich machen, als Entscheidungshilfe dienen und so die Identifikation und Verbundenheit der Fachkräfte mit dem Unternehmen stärken.
Komesker ist eines von fünf Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern, die in den vergangenen Monaten an der Innovationswerkstatt „Zukunftsschmiede“ im Rahmen des Regionalprogramms MV tut was. teilgenommen haben. Gemeinsam mit Experten, Kreativschaffenden und Innovationscoaches erarbeiteten sie neue unternehmerische Ansätze zur Entwicklung des ländlichen Raums. Die Ergebnisse wurden am vergangenen Donnerstag im Rahmen einer Veranstaltung in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
App-Lösung auch für andere mittelständische Unternehmen im Land
„Im Verlauf der Innovationswerkstatt haben wir die Ursachen für die Herausforderungen bei der Fachkräftebindung analysiert“, sagte Anne Harnack, die als Projektentwicklerin Erneuerbare Energien bei Komesker arbeitet. „Komesker ist in den vergangenen Jahrzehnten von einem Ein-Mann-Betrieb zu einer Unternehmensgruppe mit 220 Mitarbeitenden gewachsen.“ Die Strukturen, Organisationsformate und Werte seien so schnell nicht mitgewachsen. Das und die anstehende Unternehmensnachfolge stellen das Unternehmen heute vor Herausforderungen. Was die KI-gestützte „Frag-Manfred-App“, liebevoll benannt nach dem Firmengründer und Geschäftsführer Manfred Komesker, leistet: Mitarbeitende erhalten dadurch schneller Orientierung bei Fragen und Entscheidungen im Arbeitsalltag und können auch auf Wissen zugreifen, das bisher vor allem bei langjährigen Beschäftigten oder der Geschäftsführung vorhanden war. „Das bindet die Mitarbeitenden enger in Informations- und Entscheidungsprozesse ein“, so Harnack. „Auf diese Weise erfahren sie Sicherheit und Motivation und identifizieren sich entsprechend stärker mit dem Unternehmen und bleiben diesem langfristig erhalten.“ Von der App-Lösung sollen auch andere kleine und mittlere Unternehmen profitieren.
Entstanden ist die Idee in der Zukunftsschmiede, einer Innovationswerkstatt im Rahmen des Landesprogramms MV tut was. Organisiert und begleitet wurde der Prozess von der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH in Kooperation mit der gemeinnützigen Kreativagentur fint e.V. aus Rostock. Ziel war es, konkrete wirtschaftliche Herausforderungen aus der Praxis im ländlichen Raum neu zu denken.
Ein weiteres Team entwickelte gemeinsam mit der Ausgleichsagentur Nord Gmbh die Idee zu einer Online-Plattform, die Landwirten den wirtschaftlichen Nutzen eines Verfahrens zur CO₂-Speicherung im Ackerbau konkret und sehr unkompliziert für deren Flächen ausrechnet. Ziel ist es, überschüssigen Grünlandaufwuchs künftig als Einkommensquelle für Betriebe und als Beitrag zum Klimaschutz nutzbar zu machen. „Unsere Lösung schafft neue Einkommensperspektiven für landwirtschaftliche Betriebe, stärkt die regionale Wertschöpfung und macht bislang wenig genutzte Flächen wieder wirtschaftlich interessant“, sagte Thomas Beil, Teammitglied und Geschäftsführer der Greifswalder Agrarinitiative e.V.. „Damit können wir zeigen, wie Klimaschutz und wirtschaftlicher Nutzen zusammengehen und gehen damit auch gegenüber anderen Bundesländern voran.“
Zukunftsschmiede. als „temporäre Innovationsabteilung“ für Unternehmen
„Die entwickelten Ideen liefern konkrete Antworten auf Herausforderungen, die viele Regionen Mecklenburg-Vorpommerns in den kommenden Jahren beschäftigen werden“, ist die Projektleiterin der Innovationswerkstatt Julia Quade von der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH überzeugt. Die Lösungen seien auch auf andere Unternehmen übertragbar. „Die Zukunftsschmiede hat gezeigt, welches Innovationspotenzial in den Unternehmen und Menschen unseres Landes steckt, wenn es darum geht, Klimaschutz als Chance für Innovation, regionale Wertschöpfung und wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen.“
Die Innovationscoachin Veronika Busch vom fint e.V. bezeichnet die Zukunftsschmiede als eine „temporäre und mobile Innovationsabteilung unserer kleinteiligen Wirtschaftsstruktur in Mecklenburg-Vorpommern“. Sie profitiere vor allem auch vom regionalen Innovationsnetzwerk und dem unternehmensübergreifenden Austausch. Besonders bemerkenswert sei das außerordentliche Engagement der Innovationsteams aufgrund ihrer gemeinsamen regionalen Verbundenheit.
Die guten Ideen der Teams wurden mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 50.000 Euro ausgezeichnet. Das Geld soll zur Unterstützung der Umsetzung der Ideen dienen.
Die fünf Lösungsideen für aktuelle Herausforderungen im ländlichen Raum MVs:
1. Fachkräftebindung für Unternehmen im ländlichen Raum (Komesker Anlagenbau GmbH)
Mit der KI-gestützten „Frag-Manfred-App“ machen Unternehmen Erfahrungswissen, Entscheidungswege und Unternehmenswerte für alle Beschäftigten digital zugänglich und stärken so Motivation und Mitarbeiterbindung.
2. CO₂-Speicherung als Einkommensquelle für Landwirte (Ausgleichsagentur Nord GmbH)
Eine Online-Plattform zeigt Landwirten, wie sie überschüssigen Grünlandaufwuchs zur Verbesserung von Ackerböden und zur langfristigen CO₂-Speicherung nutzen und damit zusätzliche Erlöse erzielen können.
3. Zukunft für Plattenbauten im ländlichen Raum (Goldbeck Nordost GmbH)
Eine Broschüre soll Kommunen und Eigentümern neue Nutzungsperspektiven für leerstehende Plattenbauten aufzeigen. Anhand inspirierender Fallbeispiele sanierter Gebäude macht sie Lust auf die Entwicklung von Wohn-, Gemeinschafts- und Versorgungsangeboten und zeigt Wege auf, wie bestehende Bausubstanz mit unkonventionellen Nutzungskonzepten zukunftsfähig genutzt werden kann.
4. Mehl aus MV für MV (FINC Foundation)
Das Team entwickelte ein Konzept für eine regionale Wertschöpfungskette vom regionalen Korn bis zum Brot regionaler Bäckereien. Langfristig geplant ist der Aufbau einer regionalen Mühle mit Logistik-Umschlagplatz, die heimisches Getreide für die Weiterverarbeitung in Mecklenburg-Vorpommern nutzbar macht und so regionale Wertschöpfung, klimaresiliente und artenreiche Landwirtschaft und kurze Lieferketten stärkt.
5. Bezahlbar und klimafreundlich bauen im ländlichen Raum (Urban Beta UG)
Inspiriert vom Spiele-Design entwickelt das Team ein digitales Planungs- und Beratungstool, mit dem Bauherren verschiedene Bau- und Nutzungskonzepte unkompliziert durchrechnen können. Es zeigt auf, welche Kosten-, Zeit- und Klimavorteile der Einsatz des modularen Urban-Beta-Bausystems insbesondere für soziale Träger bietet.
Pressekontakt
Julia Quade
Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH
03866 - 404 -116
0173 - 62 92 202
Julia.Quade@lgmv.de
Hintergrund: Landesprogramm MV tut was. Klimaschutz vor Ort.
Die Zukunftsschmiede. ist eine Innovationswerkstatt für Unternehmen im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns. Sie unterstützt Betriebe dabei, Klimaschutz und Klimaanpassung als Chance für Innovation, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Geschäftsmodelle zu nutzen.
Weitere Informationen unter zukunftshandeln-mv.de/zukunftsschmiede
Die Zukunftsschmiede. ist Teil des Landesprogramms MV tut was. Das Programm wird ermöglicht durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und umgesetzt durch ein regionales Partnerkonsortium in Kooperation mit der Initiative Zukunftshandeln MV. Weitere Informationen unter zukunftshandeln-mv.de/mv-tut-was
Kontakt
Eva Mahnke Programmkoordination MV tut was.
fint e.V.
0177 – 799 7075
eva.mahnke@fint.team


